Die tierliche Perspektive in der Politik
Philipp von Gall

Um ambitionierte Klima- und andere globale Entwicklungsziele zu erreichen, braucht es eine globale Politik der Tierhaltung. Über eine nachhaltige und gesellschaftlich anerkannte Tierhaltungspolitik lässt sich international aber nicht sinnvoll verhandeln, ohne dabei berechtigte Ansprüche aus Sicht der Tiere zu berücksichtigen. Deshalb ist es nicht nur aus Tierschutzgründen ein Problem, dass bis heute keine staatliche Institution existiert, die tierliche Interessen international und anerkanntermaßen repräsentiert. Bei der Entwicklung einer solchen Institution sollte aus Fehlern nationaler Tierschutzpolitiken gelernt werden. Eine in dem Artikel vorgestellte Lehre aus solchen Fehlern lautet, die politische Berücksichtigung von Tieren nicht mehr nur an den Konzepten „Tierschutz“ bzw. „Tierwohl“ (animal welfare), sondern an der umfassenderen „Perspektive“ der Tiere auszurichten.Das verhindert die drohende missverständliche Verstrickung menschlicher und tierlicher Ansprüche in Tierschutz- und Tierwohl-Ansätzen und ermöglicht, anspruchsvollere normative Konzepte wie Interessen, politische Repräsentation oder juridische Rechte politisch auszubauen. Die Perspektive der Tiere bietet moderaten Tierschutz- bzw. Tierwohlanforderungen, die aufgrund demokratischer Mehrheitsverhältnisse am ehesten Erfolg versprechen, ebenso Raum wie weitergehenden Ansprüchen, auch wenn diese sich nicht in Einklang mit der wirtschaftlichen Nutzung von Tieren bringen lassen. An den Vorschlag, wie die Perspektive der Tiere entsprechend verstanden werden sollte, schließt sich der Vorschlag zur Gründung einer Wissensplattform an, die diese Perspektive aufbereitet. Deutlich wird bei diesen Überlegungen, dass die Ermittlung tierlicher Ansprüche an die Politik eine in ihrer Komplexität unterschätzte Aufgabe ist, die es von der Aufgabe eines interessenunabhängigen Tierschutz-Sachverstandes zu differenzieren gilt.