Emotionales Bewusstsein bei Tieren und seine politische Bedeutung

Die interdisziplinäre Fachzeitschrift "Tierstudien" widmet sich im Kontext der neu entstandenen Animal Studies dem Verhältnis von Mensch und Tier. Der Dialog zwischen Uriah Kriegel und mir in der Ausgabe 17/2020 zum Thema "Tiere und Emotionen" steht stellvertretend für den Austausch zwischen Philosophie und Agrarpolitik über den ethischen Umgang mit sogenannten Nutztieren sowie die Rolle des (emotionalen) Bewusstseins von Tieren diesbezüglich. Die Abschrift basiert auf einem Gespräch im Frühjahr 2019 in Hamburg-Othmarschen.

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Interview Schweizer Bauernzeitung

«Wir brauchen Tiere nicht unbedingt»

INTERVIEW MIT DER SCHWEIZER BAUERNZEITUNG, AUSGABE VOM 31. JANUAR 2020, S. 24

Ethik / Philipp von Gall sagt, dass sich die Wahrnehmung der Tierhaltung stärker gewandelt hat, als erwartet. Dadurch entstehen neue Fragen

HAMBURG (D) Sobald über Sinn und Unsinn der Tierhaltung diskutiert wird, stellt sich die Frage: braucht die Landwirtschaft Ethik? Braucht sie eine Diskussion darüber, was gut und schlecht ist? Ein Gespräch mit dem Hamburger Agrarökonom, Ethiker und Politikberater Philipp von Gall soll Aufschluss darüber bringen, was Ethik der Landwirtschaft bringen kann: womöglich die Gründung einer Behörde für Tierethik oder staatliche Repräsentanten der Tiere, sicher aber eine neue Betrachtungsweise der Tierhaltung.

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Agrarwende auch für Tiere

Das Mensch-Tier-Verhältnis hat sich in den vergangenen Jahren umfassend gewandelt – mit zahlreichen Herausforderungen für Gesellschaft und Individuen. Neue Erkenntnisse aus Biologie und Verhaltensforschung über die Fähigkeiten von Tieren lassen Widersprüche im Verhältnis zu ihnen deutlicher zutage treten. Angesichts dieses Spannungsverhältnisses wirft der Umgang insbesondere mit den sogenannten Nutztieren Fragen auf, die eine größer werdende kritische Öffentlichkeit beschäftigen: Wird der Mensch mit der Beibehaltung seiner Lebensgewohnheiten der Verantwortung für die Tierwelt und nicht zuletzt sich selbst gegenüber gerecht? Haben schmerz- und leidensfähige Tiere Rechte und, wenn ja, welche? Gibt es allgemeine Wertmaßstäbe oder Verpflichtungen, wie Menschen sich gegenüber Tieren verhalten sollten? Der Band möchte die komplexen Zusammenhänge der Mensch-Tier-Beziehung in einem interdisziplinären Rahmen beleuchten und zum Diskurs über deren notwendige Weiterentwicklung beitragen.

Die tierliche Perspektive in der Politik

Um ambitionierte Klima- und andere globale Entwicklungsziele zu erreichen, muss die Tierhaltung auch international reguliert werden. Über eine nachhaltige und gesellschaftlich anerkannte Tierhaltungspolitik lässt sich international aber nicht sinnvoll verhandeln, ohne dabei berechtigte Ansprüche aus Sicht der Tiere zu berücksichtigen. Deshalb ist es nicht nur aus Tierschutzgründen ein Problem, dass bis heute keine staatliche Institution existiert, die tierliche Interessen anerkanntermaßen in zwischenstaatlichen Verhandlungen repräsentiert. Bei der Entwicklung einer solchen Institution sollte aus Fehlern nationaler Tierschutzpolitiken gelernt werden. Eine in dem Artikel vorgestellte Lehre aus solchen Fehlern lautet, die politische Berücksichtigung von Tieren nicht mehr nur an den Konzepten „Tierschutz“ bzw. „Tierwohl“ (animal welfare), sondern an der umfassenderen „Perspektive“ der Tiere auszurichten.

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Beyond Plausibility Checks - a Case for Moral Doubt in Review Processes of Animal Experimentation

Zusammen mit Mara-Daria Cojocaru ist dieser Beitrag zur Brill-Publikation "Animal Experimentation - Working Towards a Paradigm Change" (Hg: Kathrin Herrmann und Kimberly Jane, 2019) entstanden. Wir untersuchen die Rolle und die Arbeitsweise von sogenannten Tierversuchskommissionen in Deutschland. Das sind staatlich einberufene Beratungsgremien, die den rechtlichen Tierschutz im Bereich Tierversuche gewährleisten sollen. Dafür konnten wir auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen, insofern wir selbst Mitglieder solcher Kommissionen sind / waren.

Haarige Dummköpfe

Für die Wochenzeitung Der Freitag habe ich den politischen und Marketing-Hype um das Buzzword "Tierwohl" in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext gerückt, Fazit: Was „artgerechte Haltung“ war, soll nun „Tierwohl“ heißen. Dabei geht es wieder mal nur um den Menschen.

Rezension der Junios Einführung in die Tierethik für die Fachzeitschrift RECHTSWISSENSCHAFT

Die RECHTSWISSENSCHAFT ist die fachgebietsübergreifende wissenschaftliche Zeitschrift aus dem Nomos Verlag. Sie stellt die Bezüge zwischen den einzelnen juristischen Fachgebieten in den Mittelpunkt. Die Zeitschrift bildet einen Gegenpol zur zunehmenden Spezialisierung und verschafft den Lesern einen Überblick über den Stand der rechtswissenschaftlichen Forschung. Die Ausgabe "Tiere und Recht" fasst aktuelle Entwicklungen und Ansätze im deutschen und internationen Tierrecht zusammen. Für die Ausgabe besprach in die ebenfalls im Jahr 2016 erschienene Junius Einführung in die Tierethik von Herwig Grimm (Messerli-Institut Wien) und Markus Wild (Universität Basel).

The role of joy in farm animal welfare legislation

While animal welfare is commonly invoked in legal debates regarding non-human animals kept for food purposes, the concept of animal joy is rarely mentioned in such contexts. This paper analyzes the relationship between welfare and joy in the German animal protection law (GAPL) and in the EU directive 98/58/EC. Based on a review of scientific and philosophical approaches towards animal welfare, joy is argued to be a part of welfare.

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Tierschutz als Agrarpolitik

Wie das deutsche Tierschutzgesetz der industriellen Tierhaltung den Weg bereitete

Seit Langem ergehen in Deutschland Forderungen an die Politik, Tiere in der Agrartierhaltung besser zu schützen. Gleichzeitig legitimieren rechtliche Mindestanforderungen die Tierhaltung im Namen eines Tierschutz-Sachverstandes.
Philipp von Gall untersucht die Verbindung beider Umstände und begründet auf Basis philosophischer Arbeiten u.a. von Peter Goldie, Markus Wild und Cora Diamond, warum die vor rund 40 Jahren beschlossenen Voraussetzungen des Sachverstandes neu verhandelt werden sollten. Er zeigt: Erst das Ende der Ausblendung der tierlichen Subjektivität und der menschlichen Emotion aus der Entscheidungsfindung wird dabei helfen, gesellschaftlich akzeptierte Kompromisse zu erreichen.

Was ist "artgerechte Tierhaltung"?

Das von Arianna Ferrari und Klaus Petrus herausgegebene Lexikon der Mensch-Tier-Beziehungen widmet sich zentralen Begriffen, die die politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen und Tieren beschreiben. Ich habe mich für das Lexikon mit der Geschichte und den diversen Bedeutungen des Begriffes der "artgerechten Tierhaltung" beschäftigt.