Tiere brauchen eine Vertretung! Im Recht und in der Politik

In Zusammenarbeit mit der Rechtsanwältin Carolin Raspé ist dieser Beitrag zu neuen Ansätzen der politischen und rechtlichen Vertretung von Tieren entstanden. Im Sommer 2020 verfassten wir als fachlichen Input zur Diskussion um das neue Grundsatzprogramm von Bündnis 90 / die Grünen, 2020, auf Anregung der Bundesarbeitsgemeinschaft Tierschutzpolitik, einen ersten Entwurf. Der Text ist schließlich im Sammelband "Verantwortbare Landwirtschaft statt Qualhaltung und Qualzucht" (Oekom-Verlag, herausgegeben von dem anerkannten Arzt und engagierten Tierschützer Dr. Walter Neussel) erschienen.

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Der ethische Wert des Tierbewusstseins - Dialog mit Uriah Kriegel

Die Fachzeitschrift "Tierstudien" widmet sich im Kontext der neu entstandenen Human-Animal Studies (HAS) dem Mensch-Tier-Verhältnis in Gesellschaft und Kunst. Der Text basiert auf einem Gespräch mit Uriah Kriegel, heute Professor für Philosophie an der Universität Houston, Texas, im Frühjahr 2019 in Hamburg. Kriegel ist spezialisiert in der Philosophie des Bewusstseins. Er verfasste eine wichtige Übersicht über die unterschiedlichen Arten des menschlichen Bewusstseins, und wir hatten längeren Email-Kontakt zur Frage, welche Formen auf welcher Grundlage auf Tiere übertragbar wären. Der Dialog zwischen Uriah Kriegel und mir in der Ausgabe 17/2020 zum Thema "Tiere und Emotionen" steht stellvertretend für den Austausch zwischen Philosophie und Agrarpolitik über den ethischen Umgang mit sogenannten Nutztieren sowie die Rolle des (emotionalen) Bewusstseins von Tieren diesbezüglich.

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...was Ethik mit Landwirtschaft zu tun hat

Ende 2019 führte ich mit dem Schweizer Agrarjournalisten und Politikberater Hansjürg Jäger ein Gespräch über Tierethik, öffentliche Wahrnehmung der Tierhaltung, Agrarpolitik und die Notwenigkeit einer politischen Vertretung von Tieren. Es wurde als Interview in der Schweizer Bauernzeitung im Januar 2020 veröffentlicht.
In den Worten der Schweizer Bauernzeitung soll das Gespräch „Aufschluss darüber bringen, was Ethik der Landwirtschaft bringen kann: womöglich die Gründung einer Behörde für Tierethik oder staatliche Repräsentanten der Tiere, sicher aber eine neue Betrachtungsweise der Tierhaltung.“

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Agrarwende auch für Tiere

“Haben Tiere Rechte?” Allein diese Frage ist in der klassischen politischen Bildung noch ein Novum. Elke Diehl und Dr. Jens Tuider brachten 2020 einen Sammelband für die Bundeszentrale für Politische Bildung heraus, der dieser Frage nachgeht. Unterschiedliche Antworten darauf liefern die Autor*innen des Bandes mit ihren diversen fachlichen Hintergründen. Es eint sie die Erkenntnis, dass es so, wie wir Tiere aktuell politisch und gesellschaftlich behandeln, nicht weitergehen kann. Ich durfte einen Beitrag über die vielbeschworene „Agrarwende“ schreiben. Ich argumentiere, dass eine solche Wende auch im Interesse der Tiere ansteht. Dass die Gründe für einen Wandel in der Landwirtschaft auch Gründe für einen radikal anderen Umgang mit Tieren sind. Es zeigt sich, dass eine Agrarwende nicht nur einen besseren Umgang mit Tieren verlangt. Denn auch die Frage, ob Tiere überhaupt zu unserer Ernährung beitragen sollten, und, wenn ja, in welchem Ausmaß; diese Frage gewinnt aus ethischen und ökologischen Gründen rasant an Bedeutung.

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Die tierliche Perspektive in der Politik

In meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Hohenheim, 2016 – 2019, habe ich an mehreren Anträgen mitgeschrieben, um Forschungsprojekte zur Politik der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu etablieren. In dem Rahmen entstand dieser Beitrag für das von Dr. Mara-Daria Cojocaru herausgegebene Jahrbuch Praktische Philosophie, Ausgabe 3, Thema „Moralischer Fortschritt“ (2019). Darin entwickele ich eine Kritik am aktuellen staatlichen Tierschutz, der die Vertretung der tierlichen Perspektive vernachlässigt. Ich argumentiere, dass Tierschutz oft zu abstrakt gedacht wird und in manchen Kontexten die Tiere selbst so gut wie kaum mehr vorkommen. Ich plädiere für eine neue Institution, die in politischen Aushandlungen, zum Beispiel im Klimaschutzpolitik, die tierliche Perspektive einnimmt, vertritt und Forderungen ausarbeitet, die wir Tieren zuschreiben müssten, wenn wir ihre Interessen ernst nehmen.

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"A case for moral doubt" - Tierversuche und Emotionen

Zusammen mit Mara-Daria Cojocaru ist dieser Beitrag zur Brill-Publikation "Animal Experimentation - Working Towards a Paradigm Change" (Hg: Kathrin Herrmann und Kimberly Jane, 2019) entstanden. Wir untersuchen die Rolle und die Arbeitsweise von sogenannten Tierversuchskommissionen in Deutschland. Das sind staatlich einberufene Beratungsgremien, die den rechtlichen Tierschutz im Bereich Tierversuche gewährleisten sollen. Dafür konnten wir auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen, insofern wir selbst Mitglieder solcher Kommissionen waren. Außerdem haben wir beide zur Funktionsweise von Emotionen in ethischen Kontexten gearbeitet, Unsere Analyse der Kommissionen wurde nun zu einem praktischen „Versuchsfeld“, zu schauen, welche Folgen die Ausgrenzung und Ausblendung von Emotionalität praktisch hat, die durch die Leitung der Kommissionen immer wieder eingefordert wurde. Wie wir argumentieren, wirkt die emotionale Zurückhaltung in diesem praktischen Fall von Ethik oft zuungunsten der Tiere.

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Tierwohl für Menschen

Für die Wochenzeitung Der Freitag schrieb ich in Zusammenarbeit mit der damaligen Chefredakteurin Kaja Kullmann (heute Themenchefin bei der taz) diesen Beitrag, 2016 unter veröffentlicht unter dem Titel „Haarige Dummköpfe“. Aufhänger war die die Verbreitung des damals agrarpolitisch noch recht neuen Schlagwortes „Tierwohl“, in allen möglichen Zusammenhängen, vor allem im Marketing. Der Beitrag fasst meine Kritik an vagen, ethisch ungreifbaren Begriffen im landwirtschaftlichen Bereich zusammen (darunter auch die artgerechte Tierhaltung). Sie schaffen es, die große öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber der sich wandelnden Mensch-Tier-Beziehung zu bündeln, zu kanalisieren, um sie dann durch die Hintertür wieder in den althergebrachten Anthropozentrismus zurückzulenken.

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Rezension der Junios Einführung in die Tierethik

Für die Ausgabe „Tier und Recht“ der Fachzeitschrift „Rechtswissenschaften besprach ich die im Jahr 2016 erschienene Junius Einführung in die Tierethik von Herwig Grimm und Markus Wild (Universität Basel), dessen tierphilosophisches Programm mich stark beeindruckt und in meiner Arbeit geprägt hat. Im Jahr 2015 war ich außerdem Gastforscher dem von Herwig Grimm geleiteten Department für Ethik der Mensch-Tier-Beziehungen am Wiener Messerli-Institut, einem der wenigen tierethischen Lehrstühle im deutschsprachigen Raum. Obwohl ich dem Buch viel Gutes abgewinnen kann, bin ich skeptisch gegenüber der darin gebrauchten engen Fassung der Tierethik als akademische Disziplin. Denn diese ist an Personal und Ressourcen, vor allem in Deutschland vergleichsweise dürftig ausgestattet. Tierethik lebt dagegen, wie ich meine, bis heute viel eher von dem, was engagierte Personen und unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft für Vorstellungen entwickeln, wie wir mit Tieren umgehen sollten. Ein Großteil von diesen engagierten Menschen hat keinen Zugang zur akademischen Debatte. Schon um das Ausmaß der offensichtlichen Ausblendung von Tieren aus traditionellen akademisch-ethischen Diskursen abzubilden, sollte Tierethik nicht als elitäres Wissen, sondern als Praxis verstanden werden, der wir uns öffnen oder verschließen können.

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Tierliche Freude in der "animal welfare"-Politik der Europäischen Union

Lange war das Konzept der tierlichen Freude, als Gegenstück zum gebräuchlicheren „Tierleid“, eine Provokation für die Fachwelt der Tierwissenschaften. „Vermenschlichung“, war der verbreitete Reflex auch vieler Veterinäre. Freude schien etwas zu Wertvolles, als etwas zu Menschliches im doppelten Sinne zu sein, als dass Tiere dazu in der Lage sein sollten. Erst seit der Jahrtausendwende – 40 Jahre nach dem ersten Weltraumflug zum Mond! – etabliert sich die wissenschaftliche Meinung, dass tierliche Freude etwas ist, was wir sehen, beobachten und mit guten Gründen annehmen können. Mit dem dänischen Bioethiker und wissenschaftlichen Mitarbeiter am Department für Ernährungs- und Ressourcenökonomie an der Universität Kopenhagen habe ich das Argument entwickelt und ausgeführt, dass in den sogenannten „animal welfare policies“ eigentlich die Rolle der Freude ausgeführt sein müsste. Wie wir anhand von ausgewählten rechtlichen Textstellen zeigen, sind diese aber nur auf die Reduktion von Leid aus. Wir argumentieren dagegen für eine Pflicht, auch ein gesundes Maß an freudvollen Zuständen jenen Tieren aktiv zu ermöglichen, deren Leben von Menschen vollständig kontrolliert und gesteuert wird.

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Tierschutz als Agrarpolitik

Das Buch „Tierschutz als Agrarpolitik“, das Ergebnis meiner Promotion an der Berliner Humboldt-Universität, basiert auf historischen Untersuchungen der Vorgänge, die zur Einführung des deutschen Tierschutzgesetzes führten. Und einer philosophischen Kritik der Begründung und Konzeption dieses Gesetzes.

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Was ist "artgerechte Tierhaltung"?

Das von Arianna Ferrari und Klaus Petrus herausgegebene Lexikon der Mensch-Tier-Beziehungen widmet sich zentralen Begriffen, die die politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen und Tieren beschreiben. Ich habe mich für das Lexikon mit der Geschichte und den diversen Bedeutungen des Begriffes der "artgerechten Tierhaltung" beschäftigt.

"Das ist Quälerei!"

Ein erstes "Output" meiner Promotion, veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im Jahr 2013. Damals wie heute was ich von ethischen Ansätzen besonders angetan war, die eine starke und konstruktive Rolle von Emotionen in der Tierethik ausmachen. Daher der äußerst unsachliche und emotionale Titel, den die FAS-Redakteurin wählte: "Das ist Quälerei!"

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